Go to Top

Blog Archives

Über Nostalgie und Vorfreude

Früher habe ich davon geträumt, einmal in Italien zu leben. Ich wollte unbedingt einen Italiener heiraten und in einem abgeschiedenen Haus an einem Weinberg leben. Da säße ich dann tagsüber draußen an einem Holztisch mit Blick in die Ferne und schriebe Romane, während meine zahlreichen Kinder zwischen den Rebstöcken herumtollten. Es wäre jeden Tag Sommer und ich würde samstags mit einer roten Vespa am Wein entlang zum Gemüsemarkt fahren. Damals …Weiter lesen

Über die Vorzüge des Offline-Datings

Meine Freundin Simone ist eine der zahlreichen Berliner Singles und begeisterte Online-Daterin. Mir ist das schleierhaft, weil sie viel unter Leuten ist, in der Single-Hauptstadt also zwangsläufig häufig auf Singles trifft und dabei immer wieder interessierte Blicke auf sich zieht. Wieso dann also noch Online-Dating? Simone dagegen fühlt sich bestätigt vom geheimen Matching-Algorithmus, schließlich werden ihr online immer mal wieder Männer vorgeschlagen, die ihr schon offline aufgefallen sind. Oder andersherum, …Weiter lesen

Über den Mangel an (echten) Prioritäten

Wir laufen den Highway entlang, so schnell es eben geht. Wobei schnell in diesem Fall übertrieben ist. Es sind über 30 Grad im Schatten und mein guter Freund James und ich irren orientierungslos zum nahegelegenen Krankenhaus. Sein Herz scheint zu stolpern. Das hält den freundlichen Muskelmann am Eingang der Notaufnahme allerdings nicht davon ab, uns erst einmal in Ruhe nach Waffen zu durchsuchen, schließlich sind wir hier in einer der …Weiter lesen

Über das Überschätzen psychologischer Ratschläge

Meist können wissenschaftliche Studien Auskunft über die Allgemeinheit geben, selten aber über den Einzelfall. Eine kritische Distanz zu psychologischen Ratschlägen ist deshalb empfehlenswert. Manchmal bekomme ich Briefe von Menschen, die ich nicht kenne. Vor wenigen Monaten schickte mir zum Beispiel ein Berliner eine Idee zu meiner Forschung. Seitdem schreiben wir uns hin und wieder und denken die Idee weiter, das ist sehr inspirierend. Häufiger als Ideen bekomme ich allerdings Briefe …Weiter lesen

Über die große, wahre Liebe

In der Liebe sollten Emotionen die Hauptrolle spielen, doch so mancher resigniert bei diesem scheinbar aussichtslosen Unterfangen. Es ist Zeit für gezieltes Verlieben. Es ist die berühmteste Liebesgeschichte, die sich dort auf der Bühne abspielte. Mit magischen Momenten im Kerzenschein, wildem Blutvergießen beim Kampf zwischen den beiden verfeindeten Familien und einer quietschenden Hebebühne als Balkonersatz. Romeo und Julia lieben und leiden momentan im Deutschen Theater und ich bin begeistert (besonders …Weiter lesen

Über die Wucht der kleinen Dinge

Statt einschneidender Lebensereignisse sind es häufig die Kleinigkeiten des Alltags, die über das Wohlbefinden entscheiden. Grund genug, ein wenig nachzuhelfen. Dass es häufig gerade die Kleinigkeiten des Alltags sind, die unser Wohlbefinden maßgeblich beeinflussen, das machte mir kürzlich die Berliner Polizei deutlich. Aber von vorn: Es begann an einem Mittwoch im Winter mit einem Wuschelkopf. Der (gar nicht mehr ganz so) Kleine benötigte eine neue Frisur, deshalb ging es nachmittags …Weiter lesen

Über das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren

Die Kontrolle zu verlieren macht Angst, weil wir dadurch Schlechtes nicht abwenden können. Dabei ist es manchmal hilfreich, einen Kontrollverlust zu akzeptieren. Gerade dann, wenn wieder eine schreckliche Nachricht die Welt erschüttert, wird häufig daran appelliert, nicht dem Gefühl zu erliegen, die Kontrolle verloren zu haben. So auch kürzlich, als der Terroranschlag auf Charlie Hebdo verübt wurde und unser Bundespräsident beim Neujahrsempfang davon sprach, dass wir „weder ohnmächtig noch hilflos“ …Weiter lesen

Über die Flüchtigkeit des Glücks

Glücklich wollen wir sein, tun uns aber allzu oft schwer damit. Dabei ist es sogar in schweren Zeiten möglich, dieses Ziel zu erreichen. „Das Glück macht nie so glücklich wie das Unglück unglücklich“, lässt der Schriftsteller Wolfgang Herrndorf einen Bauarbeiter zu Isa sagen. Isa, ein Mädchen aus seiner eigenen Biographie, mit der er sich geschwisterlich verbunden fühlte und mit der er die vielleicht glücklichsten Tage seines Lebens verbrachte. Die später …Weiter lesen

Über die Notwendigkeit von emotionalem Protest

Bei grundlegenden Entscheidungen brauchen wir neben rationalen auch emotionale Debatten. Unser Bauchgefühl hat ohnehin längst entschieden, bevor unser Kopf die Argumente sorgfältig abgewogen hat. Die Kunst bietet andere Mittel zum emotionalen Aufrütteln als ein Tatsachenbericht. Und kann so über andere Wege die Gesellschaft beeinflussen, als es beispielsweise politische Debatten vermögen. Kein Wunder also, dass Philipp Ruch, künstlerischer Leiter des Zentrums für Politische Schönheit, Kunst und Theater als fünfte Gewalt im …Weiter lesen

Über die Illusion, das Gute im Schlechten zu finden

Positive Erlebnisse sind wünschenswert, negative Erlebnisse zu vermeiden. Sollte man meinen. Erstaunlich, dass viele dennoch an der Illusion festhalten, nur durch Schicksalsschläge könnten wir reifen. Hape Kerkeling hat ein Buch geschrieben, eines über seine Kindheit, und die war, so liest man, von einem schweren Schicksalsschlag gezeichnet. Im Kulturspiegel bespricht Arno Fank das Buch mit lobenden Worten und stellt fest: „Es ist allein dieser tragische Hintergrund, der einen Quatschmacher in einen …Weiter lesen