Go to Top

Blog Archives

Über den Wunsch nach Irritation

Kürzlich traf ich mich mit einer Bundestagsabgeordneten. Noch ganz beseelt vom inspirierenden Gespräch über Politik und die Welt, las ich auf dem Rückweg das Buch Gegen Wahlen des niederländischen Autors David van Reybrouck in dem – im starken Kontrast zum vorherigen Gespräch – Abstimmungen für undemokratisch erklärt werden. Auch davon fühlte ich mich inspiriert. Ich liebe diese scheinbaren Widersprüche: Einerseits schlägt mein Demokratinnen-Herz höher, wenn sich, wie bei der letzten …Weiter lesen

Über einen neuen Namen

Ich habe meinen Namen ändern lassen. Nun heiße ich auch offiziell Jule Specht. Nicht nur wie bisher für Freunde, Kolleginnen und die Öffentlichkeit, sondern so steht es jetzt auch im Pass. Vorher habe ich etwa zwei Jahre lang abgewogen. Bis ich dann im Dezember mit einem Lieblingsfreund auf Gran Canaria war, wir aufs Meer schauend die Argumente wälzten und er schließlich feststellte, dass er wohl vor einer Namensänderung zurückschrecken würde, …Weiter lesen

Über einen Verschwundenen

Ich stehe an einem einsamen Bahngleis im schleswig-holsteinischen Nowhereland und warte auf meinen Zug nach Berlin. Der einzige Mitwartende ist ein junger Mann mit Fahrrad, der mir etwas zu tief in die Augen schaut, als dass ich das so einfach ignorieren kann. Und tatsächlich, ich erinnere mich, es ist Robert, ein alter Schulkamerad, mit dem ich vor elf Jahren mein Abitur machte. So ein Zufall! Während der anschließenden Zugfahrt reden …Weiter lesen

Über schwere Entscheidungen und glückliche Zufälle

Kürzlich musste ich eine grundlegende Lebensentscheidung treffen: Ich bekam eine Stelle in Lübeck angeboten, gleichzeitig tat sich eine vielversprechende berufliche Chance in Berlin auf. Was für ein Glück, was für ein Hochgefühl! Nun lagen zwei Lebenswege vor mir und ich musste eine folgenschwere Entscheidung treffen. Eine Woche habe ich abgewartet: Meist klärt das meine Intuition nach einiger „Bedenkzeit“ von selbst. Nicht in diesem Fall, sie war ratlos. Also half der …Weiter lesen

Über die Persönlichkeit der Politik

„Ich könnte nie eine Partei wählen, die ein Plakat hat, auf dem der Kopf von einem Kind abgeschnitten ist“, stellt meine Tochter fest. Wir fahren durch Berlin und die Straßen sind mit Wahlkampfplakaten gesäumt. Ganz so makaber wie es klingt, ist es allerdings nicht: Der Spitzenkandidat der Berliner CDU möchte lediglich seine Nähe zur Familie mit einem Foto seines Sohnes unterstreichen, gleichzeitig aber anscheinend dessen Persönlichkeitsrechte schützen. Deshalb zeigt das …Weiter lesen

Über große und größere Sorgen

Die eigenen Sorgen sind meist nicht die größten, merke ich wieder. Kürzlich, an einem dieser warmen Berliner Sommerabende, sitze ich zur Belohnung nach einem fleißigen Schreibtag lesend bei einem Glas Weinschorle in der Böse Buben Bar. Es ist Freitag, überall Geplauder und Gelächter. Bei mir stattdessen ein Anflug des Gefühls großstädtischer Einsamkeit. Im Trubel um mich herum ist die Stimmung gelöst, ich dagegen vertiefe mich – allein – in den …Weiter lesen

Über fragmentierte Liebesleben

Meine Freundin Anna hat ihr Liebesleben perfektioniert, indem sie es vor einiger Zeit fragmentierte. Unterschiedliche Bedürfnisse, die sich in einer klassischen Partnerschaft exklusiv an eine Person richten, werden in ihrem Leben auf drei Männer verteilt: (1) Ihre vergangene große Liebe, mit der sie ein Kind großzieht, aber nicht mehr zusammenlebt, (2) eine Affäre mit einem vergebenen Mann, mit dem sich das Bett, aber nicht der Alltag teilen lässt und (3) …Weiter lesen

Über Alterspanik

Mein 30. Geburtstag ist zum Greifen nahe. In wenigen Wochen wird der Tag kommen, dem ich seit über zwei Jahren ängstlich entgegen blicke. Genau genommen habe ich mich nie wie 28 oder 29 gefühlt, sondern immer nur wie „fast 30“. Ben, ein guter Freund, findet das überzogen und meint: „Du wirst sehen, 30 werden ist voll easy.“ Er sieht sich damit im wissenden Recht des Älteren, schließlich hat er im …Weiter lesen

Über Bedingungslosigkeit

Über Bedingungslosigkeit Bedingungslos zu geben wird oftmals als problematisch empfunden. Bedingungslos zu nehmen scheint jedoch ebenso diffizil. Das berichtet zumindest Daniel Häni, ein Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens. Beim Salon Sophie Charlotte erzählte er kürzlich, wie er einem guten Freund Geld gab, ohne Gegenleistung, einfach so, bedingungslos. Vielleicht wollte er mal vortesten, wie das eigentlich wäre mit einem bedingungslosen Grundeinkommen. Der Freund, obwohl ein enger, sträubt sich. Auch der nächste hadert, …Weiter lesen

Über funktionale Angst

Die Angst grassiert. Selten hat sich ein Gefühl der Angst so schnell und weit verbreitet wie nach den jüngsten Anschlägen in Paris. Der Tagesspiegel titelt schon wenige Stunden nach den Attentaten ‚Paris in Angst‘ und liefert dazu eine besorgniserregende Chronik des Grauens. Auch eine Woche danach bleibt Paris für die Süddeutsche Zeitung die ‚Stadt der Angst‘ und es wird kein schnelles Ende dieses Zustands prophezeit. Ebenso erkennt die FAZ eine …Weiter lesen