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Blog Archives

Gedanken zur Aufregung um den Shitstorm 

Zuerst zwei Erläuterungen der Wortbedeutung, dann ein Übersetzungsvorschlag. Die nordamerikanische Vokabel des shitstorm definiert das Oxford English Dictionary als „ein frenetisches oder desaströses Ereignis“, als „Aufruhr, Verwirrung, Durcheinander und Tumult“ (commotion, tumult). In seinem Beitrag Wir leben im digitalen Mittelalter (F.A.Z. vom 17.7.2015, S. 15) schrieb Dieter Nuhr über die Reaktionen auf seinen Beitrag bei facebook und twitter (er hatte das griechische Referendum mit einer Abstimmung in seiner Familie verglichen, …Weiter lesen

Kommen Sie gut durch die Nacht!

Etwas hat sich an den Tagesthemen der ARD, wenn Thomas Roth sie präsentiert, verändert. Vor ein paar Tagen fiel es meiner Frau und mir auf: Thomas Roth begrüßt und verabschiedet nicht mehr sein Publikum mit den Worten: „Guten Abend, meine Damen und Herren“ und „Kommen Sie gut durch die Nacht“. Die Anrede hat er verknappt auf: „Guten Abend“; die Aufmunterung zum Abschied lässt er weg. Das hat uns überrascht. Ich …Weiter lesen

Die Antwort ist das Unglück der Frage

Vor drei Wochen, am 24. März 2015, zerschellte der Airbus 320 der Germanwings in den südfranzösischen Alpen. Alle Mitglieder der Crew und alle Passagiere starben. Das schreckliche Unglück erwies sich zwei Tage später als eine entsetzliche Tragödie. Das Gerät, das die Kommunikation im Cockpit aufzeichnet, war gefunden worden. Brice Robin, der Staatsanwalt aus Marseille, gab den Untersuchungsbefund bekannt: „Es ist davon auszugehen, dass der Co-Pilot bewusst die Zerstörung des Flugzeugs …Weiter lesen

Gedanken zu Richard Linklaters Boyhood

Als neulich in Los Angeles die Oscars verliehen wurden, war auch Boyhood unter den ausgezeichneten Filmen. Verdient. Ich habe ihn dreimal gesehen, einmal im Kino, zweimal zu Hause, und er hat mich jedes Mal wieder gefangengenommen. Schon das Wort, das der Regisseur und Drehbuchautor Richard Linklater für den Titel wählte, ist zumindest für uns Deutsche ungewöhnlich. Boyhood ist nicht so einfach zu übersetzen – weshalb der deutsche Filmverleih die englische …Weiter lesen

Pegida – Schwierigkeiten der Verständigung?

Für Montag, den 19. Januar 2015, wurde das Treffen der Pegida-Teilnehmer – die sich, wie ich in der Günther Jauch-Sendung vom 18. Januar 2015 erfuhr, Spaziergänger nennen – an der Dresdner Semperoper von der zuständigen Behörde abgesagt: Ein oder mehrere Mord-Versuche wären angekündigt worden; die Sicherheit der Versammlung könnte nicht mehr garantiert und die von unserem Grundgesetz gewährte Freiheit der Meinungsäußerung müsste eingeschränkt werden. Der ordnungspolitische Eingriff ist gravierend und …Weiter lesen

Ballast abwerfen und Lebensereignisse unaufgeregt quittieren

Das Jugendwort des Jahres 2014 ist identifiziert worden. Es lautet: Läuft bei dir. Man kann es jetzt nachlesen im Taschenwörterbuch 100 Prozent Jugendsprache 2015 des Langenscheidt-Verlages. Jugendsprache zu erforschen und zu systematisieren ist für den Versuch, die jungen Generationen zu verstehen, ein enorm verdienstvolles Projekt. Wobei mir das Wort Jugendsprache quer liegt wie eine Gräte im Mund: bei der Vokabel Jugend höre ich die negativen Konnotationen immer mit. Jugend kenne …Weiter lesen

Wie gefährlich ist Amazon?

Vor ein paar Tagen las ich in der Süddeutschen Zeitung einen langen Text über den Vorwurf des Imperialismus an den nordamerikanischen Versandhandel, der seine Zentrale in Seattle hat: Amazon (SZ vom 22.10.2014, S. 3). Der Autor, Johannes Boie, titelte seinen Beitrag: Geliefert. Viele glauben, Amazon ruiniert die Buchbranche. Doch das ist nur ein Teil des Problems. Tatsächlich verändert Amazon die ganze Gesellschaft. Ausgang offen. Verändert Amazon die ganze Gesellschaft? Das …Weiter lesen

Nous sommes en France

Reisen bildet, sagt man. Wer ins Ausland reist, kann Unterschiede zwischen dem fremden und dem eigenen Land entdecken. Wir waren vor kurzem an der Nordküste der Bretagne. Eine Schulfreundin meiner Frau (aus einem Schüler-Austausch), die wir am Strand trafen, lud uns „zu einem Aperitif“, wie sie sagte, gegen 12 Uhr zu sich in ihr Haus in der Nähe des Meeres ein. Es war herrliches Wetter; wir trafen uns in ihrem Garten. …Weiter lesen

Gustl Mollath und die Tücken des Maßregelvollzugs

Der Autor und Psychologe Gerhard Bliersbach leitete viele Jahre eine Station, auf der psychisch kranke Straftäter im Maßregelvollzug behandelt wurden. Er kennt die Probleme dieser Maßnahme. Seit dem 7. Juli 2014 wird die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Gustl Mollath vor dem Landgericht Regensburg verhandelt. Er war im Sommer 2005 von den Vorwürfen mehrfacher gewalttätiger Handlungen gegenüber seiner Frau freigesprochen, für schuldunfähig im Rahmen der Paragraphen 20/21 (Strafgesetzbuch) befunden, der Maßregel …Weiter lesen